„Asperger W(ein)blicke“ – Interviews: drei Persönlichkeiten – drei Perspektiven
Weinbaukultur gehört zu Asperg wie der Demokratenbuckel zum Stadtbild. Seit über 1.200 Jahren prägt sie die Geschichte, die Landschaft und das Erscheinungsbild unserer Stadt. Wie nehmen wir sie wahr?
Dieser Frage geht die Interessengemeinschaft Asperger Weingärtner (IAW) gemeinsam mit hiesigen Persönlichkeiten in einer eigens aufgelegten Interviewreihe nach. Wählen Sie unten die jeweilige Folge aus, um das Interview zu lesen.
Folge 1: Bürgermeister Christian Eiberger
IAW: „Welche persönlichen Vorstellungen verbinden Sie mit der Weinbaukultur in Asperg?“
Christian Eiberger: „Wenn ich an die Weinbaukultur in Asperg denke, verbinde ich damit vor allem Heimat, Tradition und Gemeinschaft. Der Weinbau gehört für mich ganz selbstverständlich zu unserem Ort und prägt nicht nur unsere Landschaft, sondern gibt uns seinen ganz eigenen Charakter. Die Weinberge, die Arbeit unserer Wengerter, die zahlreichen Aktivitäten rund um den Wein und der Erhalt und der Betrieb unserer Kelter sind ein Stück gelebte Heimat.
Besonders beeindruckt mich dabei das große persönliche Engagement unserer Wengerter und aller Verantwortlichen der IAW. Weinbau ist in Asperg weit mehr als die Erzeugung eines hochwertigen regionalen Produkts – dahinter stehen Menschen, die mit viel Herzblut, Zeit und Fachwissen ihre Weinberge bewirtschaften und damit eine jahrhundertealte Tradition lebendig halten. Dafür gebührt ihnen unser großer Dank und unsere Anerkennung und darauf dürfen wir in Asperg stolz sein.“
IAW: „Was macht für Sie der hiesige Weinbau aus Ihrer Sicht erhaltenswert?“
Christian Eiberger: „Der hiesige Weinbau ist aus meiner Sicht aus vielen Gründen erhaltenswert. Er prägt unser Landschaftsbild in ganz besonderer Weise und macht unseren Ort unverwechselbar. Wer in Richtung Hohenasperg blickt, sieht eine Kulturlandschaft, die durch die Weinberge wesentlich mitgestaltet wird. Diese Verbindung von Natur, Landschaft und Landwirtschaft ist ein wichtiger Teil unserer Identität. Gleichzeitig bewahrt der Weinbau ein wertvolles Stück regionaler Tradition und vermittelt Wissen und Erfahrungen, die über Generationen weitergegeben wurden. Besonders wichtig ist mir aber auch der menschliche Aspekt: Unsere Weinbauern leisten mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft in Asperg. Sollten die Weinberge am Hohenasperg irgendwann verschwinden, würde sich das Gesicht unseres Ortes verändern. Deshalb ist es mir wichtig, Verantwortung für das charakteristische Erscheinungsbild und für ein Stück gelebte Heimat zu übernehmen und die IAW, soweit möglich, zu unterstützen.“
IAW: „Wie nimmt aus Ihrer Sicht die Bürgerschaft den kleinen Weinort wahr?“
Christian Eiberger: „Ich glaube, dass sehr viele Bürger Asperg als einen Ort wahrnehmen, der seinen eigenen Charakter bewahrt hat und bei dem der Weinbau ganz wesentlich zum Erscheinungsbild und zur Identität gehört. Natürlich ist der Weinbau für viele im Alltag vielleicht etwas Selbstverständliches. Aber wer bewusst durch unsere Weinberge geht oder vom Bürgergarten oder vom Kleinaspergle auf den Hohenasperg blickt, dem wird schnell klar, wie sehr die Weinberge unseren Ort prägen. Gleichzeitig denke ich, dass der Weinbau den Menschen auch ein Gefühl von Verbundenheit vermittelt. Veranstaltungen, Aktivitäten und die Arbeit der IAW bringen Menschen zusammen und machen die Weinbaukultur erlebbar. Der Weinbau gehört zu dieser Identität einfach dazu.
Ich wünsche mir, dass wir dieses Bewusstsein erhalten. Wir können froh sein, dass wir Menschen haben, die sich mit so viel Leidenschaft für den Weinbau einsetzen. Als Stadt stehen wir deshalb gerne an der Seite unserer Wengerter. Denn diese Menschen tragen ganz wesentlich dazu bei, dass Asperg das bleibt, was er ist: eine liebenswerte Stadt.“
Folge 2: Elly Martinat
IAW: „Welche persönlichen Vorstellungen verbinden Sie mit der Weinbaukultur in Asperg?“
Elly Martinat: „Es verbindet sich für mich das Bild von traditionell von Hand gepflegten, sonnenbeschienenen Weinhängen, mit dem handwerklichen Können der Winzer, geselliges Miteinander bei tiefgründigen Gesprächen. Eine Jahrhunderte alte Tradition, die im Einklang der Natur den Rhythmus des Jahres prägt.“
IAW: „Was macht für Sie der hiesige Weinbau aus Ihrer Sicht erhaltenswert?“
Elly Martinat: „Der Weinbau am Hohenasperg und auf der Hurst sind für mich ein Stück Kulturgut. Einen Hohenasperg ohne Weinbergterrassen sind für mich unvorstellbar. Es schmerzt schon jetzt, die zunehmenden Brachflächen anzusehen.“
IAW: „Wie nimmt aus Ihrer Sicht die Bürgerschaft den kleinen Weinort wahr?“
Elly Martinat: „Mit Heimatgefühl, Wertschätzung und Hochachtung vor dem Handwerk. Das alle zwei Jahre stattfindende Weindörfle an Himmelfahrt rund um die denkmalgeschützte Kelter ist ein Publikumsmagnet für geselligen Austausch und wird von ‚Jung und Alt‘ wertgeschätzt.“
Folge 3: Christian Ottenbacher
IAW: „Welche persönliche Vorstellung verbinden Sie mit der Weinbaukultur in Asperg?“
Christian Ottenbacher: „Als Gastronom und Hotelier in Asperg habe ich das große Glück, jeden Tag auf die Weinberge blicken zu können. Schon als kleiner Junge bin ich mit meinem Großvater in den Weinbergen spazieren gegangen. Für mich gehören diese Weinberge ganz selbstverständlich zum Bild von Asperg. Sie stehen für Heimat, Tradition und Lebensqualität – und natürlich auch für Genuss und Geselligkeit. Gerade in der Gastronomie erlebe ich immer wieder, wie schön sich der heimische Wein mit unserer Küche verbinden lässt.“
IAW: „Was macht für Sie den hiesigen Weinbau aus Ihrer Sicht erhaltenswert?“
Christian Ottenbacher: „Der Weinbau ist für mich ein Stück gelebte Asperger Geschichte und prägt unsere Landschaft. Es macht einen großen Unterschied, ob der Berg mit Weinstöcken bepflanzt und gepflegt ist oder langsam verwildert. Die Weinberge sind eine gewachsene Kulturlandschaft, die Asperg seinen besonderen Charakter gibt. Diese Landschaft zu erhalten, ist für mich deshalb genauso wichtig wie die Tradition des Weinbaus selbst. Und natürlich bietet der heimische Wein auch eine wunderbare Verbindung zur Gastronomie und der regionalen Genusskultur.“
IAW: „Wie nimmt aus Ihrer Sicht die Bürgerschaft den kleinen Weinort wahr?“
Christian Ottenbacher: „Ich glaube, dass viele Asperger ihre Weinberge durchaus schätzen – aber vielleicht nicht immer bewusst wahrnehmen, welch schönes Stück Kulturlandschaft wir direkt vor unserer Haustür haben. Unsere Gäste nehmen den Blick auf die Weinberge sehr positiv wahr und verbinden ihn sofort mit Asperg und seiner besonderen Lage. Für mich wäre es schön, wenn wir Asperger selbst diesen Blick wieder etwas bewusster genießen würden. Denn der Weinberg ist nicht nur eine schöne Aussicht, sondern ein Stück Heimat, das wir erhalten und mit Leben füllen sollten.“
Dankeschön
Der besondere Dank der IAW gilt allen Interviewpartnern, die mit ihren persönlichen Einblicken die Asperger Weinbaukultur lebendig werden ließen und sich offen auf den Austausch mit der IAW eingelassen haben. Mit „Asperger W(ein)blicke“ lädt die IAW dazu ein, den Hohenasperg, seine Weinberge und die Asperger Tropfen neu zu entdecken.